Dakien war in der vorchristlichen Zeit eine Region im heutigen Rumänien und Heimat des Volkes der Daker. Diese wurde im ersten Jahrhundert von den Römern erobert und als Kaiserliche Provinz „Dacia“ dem römischen Reich eingegliedert.
Diesen Namen erhielt das Automobil, welches das Straßenbild der sozialistisch-kommunistischen Ära Rumäniens dominierte und nichts anderes als eine lizenzierte Kopie des Renault 12 war, der ab 1969 in Pitești gefertigt wurde. In den 1980er Jahren waren bemerkenswerte 90% aller Personenkraftwagen auf Rumäniens Straßen Dacias. Das Fahrzeug wurde zum Symbol einer scheinbaren Gleichheit in der sozialistischen Gesellschaft – eine Gleichheit, die sich auch in den langen Wartezeiten von bis zu drei Jahren manifestierte, die man für den Erwerb eines Neuwagens in Kauf nehmen musste.
Selbstverständlich besaßen auch meine Eltern einen Dacia. Wenn dieser nach vier bis fünf Jahren verkauft wurde, folgte unweigerlich wieder ein Dacia – nur die Farbe der Karosserie und der Innensitze bot Abwechslung: mal weiß, mal dunkelgrün, mal buttergelb oder rot. Nach dem Kauf begann stets das liebevolle Personalisieren: Ein westliches Autoradio wurde eingebaut, die Karosserie mit ausgewählten westlichen Abziehbildern verziert, und am Innenspiegel fand sich meist ein Kreuz oder eine Jesus-Figur. Unser besonderer Stolz war ein Maskottchen, das mein Vater in den 70er Jahren aus dem Westen mitgebracht hatte und welches mehrere unserer Dacias nacheinander schmückte. Diese persönlichen Details waren es, die die Dacias letztendlich voneinander unterschieden.
Trotz häufiger Übelkeit auf dem Rücksitz, bedingt durch die schlechten Straßenverhältnisse und die einfache Federung des Wagens, liebte ich die Fahrten im Dacia. Ob es zur Lebensmittelsuche in die nächstgrößere Stadt ging, zu entlegenen Dörfern, um den Keller für den Winter zu füllen, zum Picknick in die Karpaten oder zu Besuchen bei Freunden und Verwandten – die vorbeiziehende Welt betrachtete ich stets mit großer Freude. Dank meiner reiselustigen Eltern konnte ich in meiner Kindheit, vom Dacia aus, nahezu ganz Rumänien kennenlernen und erleben.
Mit der Serie „Dacia & Driver“ möchte ich die Erinnerungen an eine Zeit kindlicher Utopie aufleben lassen, in der zumindest durch das Fahrzeug eine gewisse Gleichheit herrschte. Nicht das Auto selbst stand im Mittelpunkt, sondern die Ziele, die man damit erreichte – die besuchten Freunde, die entdeckten Orte, die gemeinsamen Erlebnisse.
Mehr als zwei Jahrzehnte nach der Revolution von 1989 sind diese Fahrzeuge noch immer Teil des rumänischen Straßenbilds. Doch ihre Bedeutung hat sich gewandelt: Von einem Symbol der Gleichheit wurden sie zu einem Zeichen sozialer Unterschiede – oft das letzte verfügbare Transportmittel für Menschen mit begrenzten finanziellen Mitteln. Meine Fotoserie rückt die Fahrer bewusst in den Mittelpunkt. Sie sind die wahren Protagonisten, die mit Würde und Erfindergeist ihre betagten Fahrzeuge am Leben erhalten. Ihnen zolle ich mit meinen Bildern Respekt und Anerkennung.
Alle Dacia & Driver Bilder, Transsilvanien und Banat, 2009 bis 2013
Dakien war in der vorchristlichen Zeit eine Region im heutigen Rumänien und Heimat des Volkes der Daker. Diese wurde im ersten Jahrhundert von den Römern erobert und als Kaiserliche Provinz „Dacia“ dem römischen Reich eingegliedert.
Diesen Namen erhielt das Automobil, welches das Straßenbild der sozialistisch-kommunistischen Ära Rumäniens dominierte und nichts anderes als eine lizenzierte Kopie des Renault 12 war, der ab 1969 in Pitești gefertigt wurde. In den 1980er Jahren waren bemerkenswerte 90% aller Personenkraftwagen auf Rumäniens Straßen Dacias. Das Fahrzeug wurde zum Symbol einer scheinbaren Gleichheit in der sozialistischen Gesellschaft – eine Gleichheit, die sich auch in den langen Wartezeiten von bis zu drei Jahren manifestierte, die man für den Erwerb eines Neuwagens in Kauf nehmen musste.
Selbstverständlich besaßen auch meine Eltern einen Dacia. Wenn dieser nach vier bis fünf Jahren verkauft wurde, folgte unweigerlich wieder ein Dacia – nur die Farbe der Karosserie und der Innensitze bot Abwechslung: mal weiß, mal dunkelgrün, mal buttergelb oder rot. Nach dem Kauf begann stets das liebevolle Personalisieren: Ein westliches Autoradio wurde eingebaut, die Karosserie mit ausgewählten westlichen Abziehbildern verziert, und am Innenspiegel fand sich meist ein Kreuz oder eine Jesus-Figur. Unser besonderer Stolz war ein Maskottchen, das mein Vater in den 70er Jahren aus dem Westen mitgebracht hatte und welches mehrere unserer Dacias nacheinander schmückte. Diese persönlichen Details waren es, die die Dacias letztendlich voneinander unterschieden.
Trotz häufiger Übelkeit auf dem Rücksitz, bedingt durch die schlechten Straßenverhältnisse und die einfache Federung des Wagens, liebte ich die Fahrten im Dacia. Ob es zur Lebensmittelsuche in die nächstgrößere Stadt ging, zu entlegenen Dörfern, um den Keller für den Winter zu füllen, zum Picknick in die Karpaten oder zu Besuchen bei Freunden und Verwandten – die vorbeiziehende Welt betrachtete ich stets mit großer Freude. Dank meiner reiselustigen Eltern konnte ich in meiner Kindheit, vom Dacia aus, nahezu ganz Rumänien kennenlernen und erleben.
Mit der Serie „Dacia & Driver“ möchte ich die Erinnerungen an eine Zeit kindlicher Utopie aufleben lassen, in der zumindest durch das Fahrzeug eine gewisse Gleichheit herrschte. Nicht das Auto selbst stand im Mittelpunkt, sondern die Ziele, die man damit erreichte – die besuchten Freunde, die entdeckten Orte, die gemeinsamen Erlebnisse.
Mehr als zwei Jahrzehnte nach der Revolution von 1989 sind diese Fahrzeuge noch immer Teil des rumänischen Straßenbilds. Doch ihre Bedeutung hat sich gewandelt: Von einem Symbol der Gleichheit wurden sie zu einem Zeichen sozialer Unterschiede – oft das letzte verfügbare Transportmittel für Menschen mit begrenzten finanziellen Mitteln. Meine Fotoserie rückt die Fahrer bewusst in den Mittelpunkt. Sie sind die wahren Protagonisten, die mit Würde und Erfindergeist ihre betagten Fahrzeuge am Leben erhalten. Ihnen zolle ich mit meinen Bildern Respekt und Anerkennung.
Alle Dacia & Driver Bilder, Transsilvanien und Banat, 2009 bis 2013