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Portraits Land

Die Serie versammelt Portraits von Menschen, denen ich spontan begegnet bin – auf Dorfstraßen, an Feldrändern, vor Höfen und Marktständen im ländlichen Transsilvanien. Keine der Aufnahmen war verabredet. Sie konnten entstehen, weil sich der Alltag hier noch im öffentlichen Raum abspielt: Selbst in kleinen Ortschaften ist das soziale Leben ausgeprägt und findet, vor allem in den Abendstunden, draußen statt.

Mehr als zwei Jahrzehnte nach der Öffnung des Landes und trotz des EU-Beitritts Rumäniens hat der Wandel die Dörfer nur zögerlich erreicht. Feldarbeit und Handwerk werden vielerorts mit einfachen Mitteln verrichtet, Pferdefuhrwerke gehören zum Straßenbild. Zugleich ist die Veränderung unübersehbar – sie zeigt sich zuerst an den Menschen selbst: Die Jüngeren kleiden sich wie ihre Altersgenossen in Westeuropa, während die ältere Generation an Hut, Schürze und dunklem Anzug festhält. In diesem Nebeneinander wird eine Gesellschaft im Übergang lesbar.

Der Ausgangspunkt dieser Serie ist ein persönlicher. Die Dörfer gleichen in vielem den Orten meiner Kindheit – als hätte die Zeit hier einen anderen Takt. Das Fotografieren wird so zu einer Form der Rückkehr in eine Welt, die ich zu kennen glaube und die mir zugleich fremd geworden ist.

Formal folgen die Portraits einer ruhigen, wiederkehrenden Anordnung: aufrechte Haltung, direkter Blick, das Dorf oder die Landschaft als Bühne. Die Dinge, die die Menschen bei sich tragen – ein Brot, ein Fahrrad, eine Kirchenfahne – sind Teil der Erzählung. Die Porträtierten präsentieren sich selbst, mit Ernst und Selbstverständlichkeit, und begegnen dem Betrachter auf Augenhöhe – so wie der Zeit, in der sie leben.

Roma Portraits

Die Serie versammelt Portraits von Roma, entstanden zwischen 2010 und 2019 in Transsilvanien und im Banat, überwiegend in Dörfern und kleinen Ortschaften. 

Alle Aufnahmen sind spontan entstanden, es sind Begegnungen auf der Straße, vor Häusern und Höfen. Dabei ist die Abweisung die Regel, nicht die Ausnahme: Die Geschichte der Roma in Rumänien hat Gemeinschaften geformt, die sich nach außen stark abschließen; das Misstrauen gegenüber Fremden sitzt tief und äußert sich mitunter unmissverständlich. Jedes Bild dieser Serie ist deshalb ein geglückter Moment – ein gewährtes, nicht selbstverständliches Einverständnis. Auf dem Land gelingt diese Annäherung deutlich eher als in den Städten.

Was mich an den Roma beeindruckt, ist ihre kulturelle Beharrungskraft: Während sich die Mehrheitsbevölkerung den westlichen Lebensformen längst angeglichen hat, schützen viele Roma-Gemeinschaften ihre eigene Kultur mit auffälliger Konsequenz. Sichtbar wird das an der Kleidung – den geblümten Kleidern und Kopftüchern der Frauen, den dunklen Anzügen und Hüten der Männer – ebenso wie an den Häusern und ihren Einrichtungen. Doch diese Resilienz ist keine gesicherte: Die Jüngeren orientieren sich zunehmend an westlichen Vorbildern, und die Frage, wie lange sich diese Lebensform noch behauptet, schwingt in jedem Portrait mit.

Unübersehbar bleibt zugleich die soziale Wirklichkeit: Viele Roma zählen, gerade auf dem Land, weiterhin zu den ärmsten Schichten der Gesellschaft. Die Portraits verschweigen das nicht, stellen es aber auch nicht aus. Ihre Haltung ist die der Begegnung auf Augenhöhe: Die Porträtierten entscheiden selbst, wie sie sich zeigen – mit Stolz, Ernst und Selbstverständlichkeit – und behaupten ihre Würde gegenüber dem Betrachter.

Schäfer & Schafe

Über 10 Millionen Schafe soll es in Rumänien geben. Und um diese Anzahl von Schafen kümmern sich an die 60.000 Schäfer. Tatsächlich sind die Schäfer ein Nationalsymbol in den Karpaten. Seit Jahrhunderten handeln Lieder, Gedichte und Literatur über Schäfer. Und die Schafe sind die heiligen Tiere. Die Schäfer sind ein sehr wichtiger Teil der rumänischen Kultur. Durch ihre langen Reisen mit der Herde, von der Ebene im Winter zu den Bergweiden im Sommer, haben sie viel zur Verbreitung der rumänischen Kultur im Laufe der Jahrhunderten beigetragen. 

Seit dem Beitritt Rumäniens in die EU haben die Schäfer immer mehr mit dem harten Wettbewerb zu kämpfen, ebenso mit neuen Regeln die einer traditionellen Schafzucht widersprechen. Zudem gibt es immer weniger junge Hirten für die Herden. Die neue Generation  interessiert sich kaum noch für diese anstrengende und anspruchsvolle Arbeit. Berghirten bringen für ihre Arbeit einige persönliche Opfer und viel Geld ist nicht damit zu verdienen. Man ist lange von zu Hause weg und lebt isoliert unter sehr harten Bedingungen. Die Herden müssen vor Wölfen und Bären geschützt werden. Regen und Nebel halten teils wochenlang an, selbst im Juni kann es noch schneien.  

Zu den Portraits von Schäfer kam ich durch meine Fotografien von Landschaften in Transsilvanien. Schafherden sind dort häufig anzutreffen und als zusätzliches Landschaftselement waren mir diese stets willkommen. Oft kam ich ins Gespräch mit den Schäfern und mit der Zeit suchte ich sogar diese Begegnung, um ein Portrait machen zu können. So wurde mit der Zeit ein eigenes Fotografieprojekt daraus.

Was mich an der Begegnung mit einem Schafhirten beeindruckt hat, ist die starke Verbundenheit dieser Menschen mit der Natur, eine archaische Art zu sein, die es vor tausenden Jahren schon gab. Wind und Wetter haben die Gesichtszügen gezeichnet und die Augen beobachten beständig die Schafe. Die Hunde sind die Arbeitspartner und mit agiler Bewegung führt der Schäfer die Herde, die sich im ständigen Fluss befindet. Das traditionelle Gewand aus Schafspelzen ist Kleidung am Tag, ist Decke in der Nacht und ist Unterlage für eine kurze Ruhepause. Am meisten aber beeindruckt die freundliche Art und der Frohsinn dieser Menschen. Wahrscheinlich kann man gar nicht anders sein, wenn Natur und Tierwelt einem so nahe stehen.

Kommunistische Viertel in Rumänien

In den 60er bis Anfang der 80er Jahre wurden in Rumänien, wie überall auf der Welt, die Städte massiv mit Wohnhochhäuser erweitert. In Rumänien wurden diese Viertel als Symbol der sozialistischen Errungenschaften von der kommunistischen Partei propagiert. Hier sollte das Proletariat schick und in wesentlich besseren Bedingungen als im Kapitalismus leben.

Als Kind fuhr ich oft mit meinen Eltern zu Verwandten oder Freunden, die in diesen Vierteln wohnten, daher verbinde ich diese Gebiete sehr stark mit der kommunistischer Zeit in Rumänien. Ich war stark beeindruckt von diesen großen Häuserblocks, von den langen Boulevards, an denen sich diese Häuser reihten, aber auch etwas abgestossen von einer gewissen Trostlosigkeit die in diesen Vierteln herrschte.

Über 20 Jahre nach dem Fall des Kommunismus habe ich diese Viertel wieder besucht. Mit der Kamera hielt ich die Änderungen seit dieser Zeit fest. Die auffälligsten Veränderungen sind die riesigen bunten Werbeplakate, die mehrere Stockwerke überdecken und unzählige großen Kirchen die zwischen den Wohnblocks neu gebaut wurden. 

Das Wichtigste an diesem Projekt sind mir jedoch die Menschen, die in diesem Stadtviertel anzutreffen sind. Diese stehen für die Gegenwart und die Stadtarchitektur ist nur deren Bühne. In den Bildern dieser Serie sind die Menschen in dioramenartigen Menschenszenen dargestellt. Der Betrachter (oder Fotograf) ist unsichtbar und jeder einzelne Protagonist auf der Straße befindet sich auf seinem eigenen Weg, von einem Ort zum anderen, eingebettet in seinem Alltag.

Anmerkung: einzelne Bilder dieser Serie sind aus mehreren Aufnahmen entstanden. Eine Collage ermöglicht mir den Eindruck über diese Menschen, deren Bewegung und die Stimmung der Straße besser in ein einzelnes Bild einzufangen. Diese Bilder sind weniger für das schnelle Betrachten im Internet sondern als große kontemplative Formate gedacht.

Choreographierte Begegnungen

Betrachtet man Gruppen von Menschen in der Malerei, so ist jeder Protagonist deutlich zu sehen, jeder scheint in einer gut durchdachten, choreographierten Stellung zu sein, die sich im gesamten Bild optimal zusammenfügen.

Kann Straßenfotografie, ohne Einfluss auf die Menschen, die sich zufällig bewegen, jeden Einzelnen aus einer günstigen oder interessanten Perspektive zeigen? Können mehrere Menschen in einer ästhetisch vorteilhaften Konfiguration gezeigt werden? Wie kann einer der größten Nachteile der Fotografie, nämlich nur einen Augenblick zu erfassen, durchbrochen werden? Diese Fragen führten mich zu diesem Projekt.

Ein einzelnes Bild dieser Serie ist nicht durch eine einzelne Fotografie entstanden, sondern durch sehr viele, oft hunderte Fotografien. Aus diesem fotografischen Rohmaterial ist durch digitale Collage das endgültige Bild entstanden. Oft gebe ich Hinweise im Bild auf diesen Prozess, indem zum Beispiel eine Person doppelt auftritt.

Das eigentliche Ziel dieses Prozesses ist es, die Menschen deutlicher zu zeigen, so wie sie im Alltag sind. Und nicht zuletzt ist mir auch der Hintergrund wichtig: Er soll die Protagonisten im Bild in einer ihrer alltäglichen Umgebungen zeigen, eine Umgebung, die die heutige Zeit reflektiert.

Oktoberfest, ein Tag davor

Das Jahr 2008 war noch ohne Ängste vor Terroranschläge, bis Anfang der Zehner Jahre war es möglich dem Aufbau der Schaustellerhäuser und Geräte, der Bierzelte, von Juli bis September zuzuschauen. Das Flanieren dazwischen machte am meisten Spaß ein paar Tage vor dem Beginn der Wiesn, alles war aufgebaut aber wunderbar befreit von dichten Menschenmassen, torkelnden Wiesnbesucher oder dem lautem Freizeitkommerz. 

Alle Bilder in dieser Serie sind an dem Tag, vor dem Beginn der 2009er Wiesn, aufgenommen. Es war ein Tag mit wunderbarem Sonnenschein, mit leuchtenden Farben, der die Skurrilität der Landschaft verstärkt.

Inzwischen ist es nicht mehr möglich den Wiesnaufbau zu erleben, höchsten von der auferlegte Distanz der der Zaun um die Theresienwiese einem erzwingt. Somit sind diese Bilder auch Erinnerungen an eine unbeschwerte Vergangenheit ode auch Zeugen einem Verlust an Freiheit an die öffentliche Sicherheit.

Alle Bilder September 2008

Fluglandschaften

Insofern es das Wetter oder das Licht es zulässt ist das Fliegen für mich eine Zeit der Kontemplation, ein Bewundern der überwältigen Formen der Natur und der Muster die der Mensch auf der Erdoberfläche zeichnet.  

Aus der Höhe von mehreren tausend Metern, gesehen aus einer winzigen Metallschale, ändert sich der Maßstab und die Perspektive der Landschaft radikal. Mit jedem Flug bin ich von dieser Aussicht fasziniert und ich kann mich dem Versuch nicht widersetzen etwas davon mitzunehmen.