Die Serie versammelt Portraits von Menschen, denen ich spontan begegnet bin – auf Dorfstraßen, an Feldrändern, vor Höfen und Marktständen im ländlichen Transsilvanien. Keine der Aufnahmen war verabredet. Sie konnten entstehen, weil sich der Alltag hier noch im öffentlichen Raum abspielt: Selbst in kleinen Ortschaften ist das soziale Leben ausgeprägt und findet, vor allem in den Abendstunden, draußen statt.
Mehr als zwei Jahrzehnte nach der Öffnung des Landes und trotz des EU-Beitritts Rumäniens hat der Wandel die Dörfer nur zögerlich erreicht. Feldarbeit und Handwerk werden vielerorts mit einfachen Mitteln verrichtet, Pferdefuhrwerke gehören zum Straßenbild. Zugleich ist die Veränderung unübersehbar – sie zeigt sich zuerst an den Menschen selbst: Die Jüngeren kleiden sich wie ihre Altersgenossen in Westeuropa, während die ältere Generation an Hut, Schürze und dunklem Anzug festhält. In diesem Nebeneinander wird eine Gesellschaft im Übergang lesbar.
Der Ausgangspunkt dieser Serie ist ein persönlicher. Die Dörfer gleichen in vielem den Orten meiner Kindheit – als hätte die Zeit hier einen anderen Takt. Das Fotografieren wird so zu einer Form der Rückkehr in eine Welt, die ich zu kennen glaube und die mir zugleich fremd geworden ist.
Formal folgen die Portraits einer ruhigen, wiederkehrenden Anordnung: aufrechte Haltung, direkter Blick, das Dorf oder die Landschaft als Bühne. Die Dinge, die die Menschen bei sich tragen – ein Brot, ein Fahrrad, eine Kirchenfahne – sind Teil der Erzählung. Die Porträtierten präsentieren sich selbst, mit Ernst und Selbstverständlichkeit, und begegnen dem Betrachter auf Augenhöhe – so wie der Zeit, in der sie leben.