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Phase Shift

Was wäre, wenn wir die Welt unverlernt sehen könnten?

Unser Sehen ist konditioniert—von der Evolution darauf trainiert, Objekte zu identifizieren, zu benennen und zu kategorisieren. Wir sehen den Baum, nicht die Verzweigung. Die Wolke, nicht ihre aufquellende Architektur. In unserer Eile zu erkennen, übersehen wir die Strukturen, die alle Lebensformen verbinden.

Phase Shift kehrt das Vertraute um. Durch die Umkehrung der Tonwerte bei weitgehender Beibehaltung der ursprünglichen Farben besetzen diese Bilder einen unmöglichen Raum zwischen Negativ und Positiv, zwischen Dokument und Traum. Bäume leuchten wie Nervensysteme. Himmel vertiefen sich zu ozeanischen Leeren. Der Wald wird zur Kathedrale aus Adern und Gefäßen.

Dies ist Natur, seitlich betrachtet—durch das Facettenauge eines Insekts, den Blick von etwas, das von sehr weit her ankommt. Der Prozess entkleidet die Landschaft ihrer vertrauten Gewöhnlichkeit und enthüllt die Architektur, die wir nicht mehr bemerken: die fraktale Verzweigung winterlicher Bäume, die stille Choreografie der Wolken.

Die Präsentation ist wesentlicher Bestandteil des Werks. Gedruckt in etwa 60×90 cm auf Metallic-Papier, gewinnen die Bilder eine zusätzliche Dimension. Die reflektierende Oberfläche intensiviert die unwirkliche Leuchtkraft der invertierten Töne und integriert zugleich subtile Spiegelungen der Umgebung—den Betrachter, den Raum, das Licht—in das Bild selbst. Die Fotografie wird zum wandelbaren Objekt, niemals zweimal ganz gleich.

Der Titel entlehnt sich der Physik, wo eine Phasenverschiebung eine Veränderung nicht dessen beschreibt, was existiert, sondern wie es wahrgenommen wird. Diese Bilder verändern nicht die Natur. Sie verändern uns.

Vielleicht war das Mystische nie anderswo. Vielleicht war es immer hier und wartete darauf, dass sich unser Blick verschiebt.

Burlesque Backstage

In meiner Bilderserie „Backstage Burlesque“ dokumentiere ich die intime Welt hinter dem Vorhang, wo alltägliche Menschen sich in verführerische Kunstfiguren verwandeln. Meine Kamera fängt authentische Momente der Transformation ein – von konzentrierten Schminkroutinen bis zu ausgelassenen Gesprächen zwischen den Künstler*innen. Die Bilder offenbaren auch die Dualität der greifbare Spannung vor dem Auftritt und die befreiende Erleichterung danach. Durch diese dokumentarische Herangehensweise enthülle ich die Kunstfertigkeit und Menschlichkeit hinter der erotischen Performance. Die Serie erforscht den Raum, in dem Alltäglichkeit und Kunst verschmelzen, und zeigt die tiefe Verbindung zwischen den Performer*innen in ihrer verletzlichsten und wahrhaftigsten Form.

Wiesnwesn (1)

Das Oktoberfest in München ist inzwischen das bekannteste Volks- und Bierfest weltweit.

Ende der 90er Jahre und besonders in Laufe 2000er Jahre wandelte sich das Oktoberfest, parallel zu seinem wachsenden Bekanntheitsgrad, immer mehr zu einer Art bayerischen Kostümfest. Das Spektrum dieser Kleidung reicht von low cost Trachten-Stoffüberzieher, billigen Massentrachten bis hin zu teureren modischen Kreationen mit traditionellem Flair. Auch Randgruppen profitieren auf dem Oktoberfest von der Vielfältigkeit des Kostümiertseins, diese tragen ihre “eigene” Tracht, egal wie extrem oder unterschiedlich diese auch sind. 

Man sieht aber auch noch die ursprüngliche traditionellen Kleidung, die abseits der Mode existiert und typisch für bestimmte Regionen und Bräuche sind. Allerdings ist diese Art von Trachtenbekleidung selten oder nur an wenigen Tagen zu sehen. 

Besonders auffallend auf dem Oktoberfest sind die bunte Kirmes- und Bierzeltenlanschaft und der zügellose Alkoholkonsum, welcher nicht ohne Folgen bleibt. Es ist ein ununterbrochener Ausnahmezustand der mehr als zwei Wochen andauert.

Alle diese Aspekte zusammen bilden einen einzigartigen Rahmen für die porträtierten Menschen, die letztendlich das interessanteste an diesem Volksfest sind.

Dacia & Driver

Dakien war in der vorchristlichen Zeit eine Region im heutigen Rumänien und Heimat des Volkes der Daker. Diese wurde im ersten Jahrhundert von den Römern erobert und als Kaiserliche Provinz „Dacia“ dem römischen Reich eingegliedert.

Diesen Namen erhielt das Automobil, welches das Straßenbild der sozialistisch-kommunistischen Ära Rumäniens dominierte und nichts anderes als eine lizenzierte Kopie des Renault 12 war, der ab 1969 in Pitești gefertigt wurde. In den 1980er Jahren waren bemerkenswerte 90% aller Personenkraftwagen auf Rumäniens Straßen Dacias. Das Fahrzeug wurde zum Symbol einer scheinbaren Gleichheit in der sozialistischen Gesellschaft – eine Gleichheit, die sich auch in den langen Wartezeiten von bis zu drei Jahren manifestierte, die man für den Erwerb eines Neuwagens in Kauf nehmen musste.

Selbstverständlich besaßen auch meine Eltern einen Dacia. Wenn dieser nach vier bis fünf Jahren verkauft wurde, folgte unweigerlich wieder ein Dacia – nur die Farbe der Karosserie und der Innensitze bot Abwechslung: mal weiß, mal dunkelgrün, mal buttergelb oder rot. Nach dem Kauf begann stets das liebevolle Personalisieren: Ein westliches Autoradio wurde eingebaut, die Karosserie mit ausgewählten westlichen Abziehbildern verziert, und am Innenspiegel fand sich meist ein Kreuz oder eine Jesus-Figur. Unser besonderer Stolz war ein Maskottchen, das mein Vater in den 70er Jahren aus dem Westen mitgebracht hatte und welches mehrere unserer Dacias nacheinander schmückte. Diese persönlichen Details waren es, die die Dacias letztendlich voneinander unterschieden.

Trotz häufiger Übelkeit auf dem Rücksitz, bedingt durch die schlechten Straßenverhältnisse und die einfache Federung des Wagens, liebte ich die Fahrten im Dacia. Ob es zur Lebensmittelsuche in die nächstgrößere Stadt ging, zu entlegenen Dörfern, um den Keller für den Winter zu füllen, zum Picknick in die Karpaten oder zu Besuchen bei Freunden und Verwandten – die vorbeiziehende Welt betrachtete ich stets mit großer Freude. Dank meiner reiselustigen Eltern konnte ich in meiner Kindheit, vom Dacia aus, nahezu ganz Rumänien kennenlernen und erleben.

Mit der Serie „Dacia & Driver“ möchte ich die Erinnerungen an eine Zeit kindlicher Utopie aufleben lassen, in der zumindest durch das Fahrzeug eine gewisse Gleichheit herrschte. Nicht das Auto selbst stand im Mittelpunkt, sondern die Ziele, die man damit erreichte – die besuchten Freunde, die entdeckten Orte, die gemeinsamen Erlebnisse.

Mehr als zwei Jahrzehnte nach der Revolution von 1989 sind diese Fahrzeuge noch immer Teil des rumänischen Straßenbilds. Doch ihre Bedeutung hat sich gewandelt: Von einem Symbol der Gleichheit wurden sie zu einem Zeichen sozialer Unterschiede – oft das letzte verfügbare Transportmittel für Menschen mit begrenzten finanziellen Mitteln. Meine Fotoserie rückt die Fahrer bewusst in den Mittelpunkt. Sie sind die wahren Protagonisten, die mit Würde und Erfindergeist ihre betagten Fahrzeuge am Leben erhalten. Ihnen zolle ich mit meinen Bildern Respekt und Anerkennung.

Alle Dacia & Driver Bilder, Transsilvanien und Banat, 2009 bis 2013

Isarleben

Isarleben – Teil 1

Die Isar teilt München, über eine Länge von mehr als 20 Kilometern, in beinahe zwei gleiche Teile. Trotzdem, kommt die Stadt nur an wenigen Stellen bis an die Ufer des Flusses. Man fühlt sich mitten in der Natur obwohl man mitten in der Stadt ist. 

Als Folge dessen ziehen die zum Teil sehr breiten Isarufern die Stadtbewohner stark an. Am Wochenende und insbesondere am den langen Sommerabende ist die Isar Flaniermeile, Grillparty, Sportwiese, Badeplatz und Enstpannsungsoase der Münchner Stadtbewohner. 

Das Betrachten der Menschenmassen, der einzelnen Menschengruppen, bis hin zum einzelnen Individuum ist faszinierend. Die Flusslandschaft, die wie Naturbelassen ausschaut, aber letztendlich vollständig vom Menschen gestaltet und gezähmt ist, wird zu einem paradiesischen Rahmen ohne jede Gafahr. Es ist ein Ort bevölkert von Menschen die nur ihrer Lust und Genuß folgen, im Augenblick der Gegenwart leben und die Vergangenheit der Stadt vergessen wollen. 

Diese Serie besteht aus Landschaften voller Menschen, wo die Menschenansammlungen das Wichtige sind  und aus Portraits, der Nahaufnahmen, wo einzelne Persönlichkeiten sichtbar werden. 

Isarleben – Portraits

Isarleben – Teil 2 (Portraits)

Die Isar teilt München, über eine Länge von mehr als 20 Kilometern, in beinahe zwei gleiche Teile. Trotzdem, kommt die Stadt nur an wenigen Stellen bis an die Ufer des Flusses. Man fühlt sich mitten in der Natur obwohl man mitten in der Stadt ist. 

Als Folge dessen ziehen die zum Teil sehr breiten Isarufern die Stadtbewohner stark an. Am Wochenende und insbesondere am den langen Sommerabende ist die Isar Flaniermeile, Grillparty, Sportwiese, Badeplatz und Enstpannsungsoase der Münchner Stadtbewohner. 

Das Betrachten der Menschenmassen, der einzelnen Menschengruppen, bis hin zum einzelnen Individuum ist faszinierend. Die Flusslandschaft, die wie Naturbelassen ausschaut, aber letztendlich vollständig vom Menschen gestaltet und gezähmt ist, wird zu einem paradiesischen Rahmen ohne jede Gafahr. Es ist ein Ort bevölkert von Menschen die nur ihrer Lust und Genuß folgen, im Augenblick der Gegenwart leben und die Vergangenheit der Stadt vergessen wollen. 

Diese Serie besteht aus Landschaften voller Menschen, wo die Menschenmasse beeindrucken und aus Portraits, der Nahaufnahmen, wo einzelne Persönlichkeiten sichtbar werden. 

Dörfer in Transsilvanien

Die Städte in Transsilvanien, wie in ganz Rumänien, haben sich nach dem Fall des Kommunismus stark entwickelt, durch die Marktwirtschaft hat sich das Bild der Städte deren in Westeuropa in vielerlei Hinsicht angeglichen. Anders sieht es mit den ländlichen Gegenden aus. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, der sogenannte Fortschritt scheint hier nur langsam anzukommen.

Auch nach über 20 Jahren finde ich die hier die Bilder meiner Kindheit, die Idyllen die die restliche Welt für Augenblicke vergessen macht und die Zeit zum stehen bringt.